Ein Querschnitt durch das mre-Bauprojekt

27.01.2023

Zurück zur Übersicht

Hier erfahren Sie alle Highlights angefangen beim ersten Spartenstich über riskante Kran-Aktionen bis hin zur Eröffnung unseres Hauses.

Zur Geschichte der Wilhelmstraße 1

Das Grundstück, auf dem das Museum Reinhard Ernst sein Zuhause gefunden hat, hat eine spannende Historie. An selbiger Stelle stand 1842 das Hotel Düringer, das 1857 in Victoria Hotel und Badehaus umbenannt wurde. Es galt als modernes Kurhotel und war ein gefragter Treffpunkt für Adel und Prominenz.

Im März 1945 zerstörte ein Bombenangriff jedoch das Gebäude und es wurde nicht wieder aufgebaut. Bis zum Beginn der Aushubarbeiten für das mre nutzte man das Grundstück als Parkfläche.

Eine Vision wird zur Wirklichkeit

Nach abgeschlossenen Erkundungsbohrungen durch das Umweltamt der Landeshauptstadt Wiesbaden und Kampfmittelsondierungen erreichte die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung am 6. Juni 2019 eine wichtige Nachricht: Dem Antrag für den Baugrubenverbau wird stattgegeben.

Die Pläne des zuständigen Architekten Fumihiko Maki zeigten einen im Grundriss rechteckigen Neubau mit Abmessungen von ca. 65 Metern im Verlauf zur Rheinstraße und ca. 45 Metern im Verlauf zur Wilhelmstraße.

Darüber hinaus sollte die historische Eingangsbebauung des Hotel Victoria wieder aufgegriffen werden. Ebenso vorgesehen war die vollflächige Unterkellerung und Errichtung von zwei Etagen über dem Erdgeschoss. Die überbaute Fläche beläuft sich auf insgesamt 3.095 Quadratmeter.

OB, Sonja Ernst, Reinhard Ernst, Michel van Ackere

Bauphase (Tiefbau)

Am 30. August 2019 wurde der Baubeginn offiziell mit einer Feier zelebriert.

Es folgte der Baugrubenaushub, bei dem die Bagger auf Mauerreste und Kellerfragmente des ehemaligen Hotel Victoria sowie auf Überbleibsel des alten Parkhauses stießen. Ein archäologisches Expertenteam begleitete die Bauarbeiten, um die Funde zu dokumentieren.

Nachdem der Erdabtrag geschafft war, galt es anschließend eine Bohrpfahlwand zu errichten. Diese Maßnahme sichert das Gelände und schließt die Baugrube wasserdicht ab. Im März 2020 wurden die Tiefbauarbeiten abgeschlossen.

Bauphase (Hochbau)

Nachdem die Bodenplatten auf dem Baugrund fertiggestellt waren, konnte man beobachten, wie darauf das Gebäude entsteht.

Insgesamt 2.300 Tonnen Stahl wurden im Rohbau des Museums verbaut – dieses Gewicht entspricht rund einem Viertel des Pariser Eiffelturms! Die Strukturen des Bewehrungsstahls verschwanden jedoch schon bald unter einer grauen Betondecke.

Am 17. April 2020 wurde schließlich der erste Baukran errichtet – ein unverzichtbarer Helfer, der während der Rohbauphase Baumaterialien in die Baugrube hob.

Foto: Klaus Helbig, Frank Marburger

Bauzaunausstellung

114 Meter maß der Holzzaun, der die Baustelle des mre einfasste. Eine leere, unbespielte Fläche, deren hohen Wert man jedoch früh erkannte. So entstand die Idee, den Zaun mit Kunst zu behängen, um bei Vorbeigehenden die Neugier auf abstrakte Kunst zu wecken.

Elf pädagogische Einrichtungen aus Wiesbaden beteiligten sich am Projekt einer Bauzaungalerie. Die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung stellte Malutensilien und Tafeln im Format 1 x 1 Meter zur Verfügung, formale Vorgabe war einzig das Thema Abstraktion.

Es entstanden 76 Kunstwerke, die über eineinhalb Jahre die Abschirmung der Baustelle zierten.

Pair

Der 7. Mai 2021 war ein historischer Termin, denn an diesem Tag fand das erste Kunstwerk seinen Platz im Museum Reinhard Ernst. Pair ist der Titel der 6,50 Meter hohen Skulptur des in Wuppertal lebenden Künstlers Tony Cragg.

Aufgrund ihrer Maße musste die zweiteilige Arbeit über den Terrassenbereich (oberhalb des Haupteingangs) in den ersten Stock gehoben, durch die noch nicht verglaste Öffnung in den Gebäudekörper geschoben und an ihrem Platz aufgestellt werden.

Wir haben sowohl den Entstehungsprozess als auch die Anlieferung filmisch festgehalten. Hier geht’s zu den Videos.

 

 

Fassade

Im November 2021 war der Rohbau bis auf wenige Restarbeiten fertiggestellt. Nachdem alle Fenster eingesetzt und die elementaren Dacharbeiten abgeschlossen waren, stand der nächste Meilenstein bevor: die Museumsfassade.

Das passende Material für die Museumsverkleidung zu finden war kein leichtes Unterfangen, muss es doch zur Architektur und zum Umfeld des Baus passen, dem Bauherrn gefallen. Vorgesehen war eine helle Fassade, deshalb kamen nur zwei Materialien in die engere Auswahl: Kalkstein oder Granit. Reinhard Ernst folgte dem Wunsch Fumihiko Makis und entschied sich für Granit – es sollte Bethel White aus dem US-Bundesstaat Vermont werden.

Dieser rund 400 Millionen Jahre alte Granitstein gilt als hellster Stein der Welt. Wie das Material vorbereitet wurde und weitere Informationen zur Fassadenverkleidung verrät Ihnen dieses Video.

Buscando la Luz III und Kraken Migof

Rund 30 Menschen waren in der Nacht vom 15. auf den 16. September 2022 an der spektakulären Aktion beteiligt, zwei weitere Skulpturen mit einem Kran punktgenau ins Museum einzulassen.

Da für die gigantische Hebevorrichtung zwei von drei Fahrbahnspuren der an das Gebäude angrenzenden Hauptverkehrsstraße gesperrt werden mussten, konnte diese Aktion nicht tagsüber stattfinden. Über Walkie-Talkie-Zuruf musste der Kranführer die tonnenschweren Kunstwerke von oben sowohl auf den flächig begrenzten Südbalkon als auch in den großzügig verglasten Innenhof des mre einbringen.

Gegen 2 Uhr standen Buscando la Luz III des spanischen Bildhauers Eduardo Chillida sowie Kraken Migof von Bernard Schultze an den für sie bestimmten Plätzen.

Werke der Gegenwart

Das mre bildet mit abstrakten Arbeiten ab 1945 nicht nur einen kunsthistorisch bedeutenden Korridor der vergangenen 75 Jahre ab, sondern präsentiert ebenso Werke der Gegenwart.

Dazu zählt auch Kunst, die eigens für das Museum angefertigt wurde, wie die Arbeiten von MadC, Katharina Grosse, Bettina Pousttchi und Karl-Martin Hartmann. (Zeitpunkt der Installation) Sie befinden sich im Foyer des mre und sind während der Öffnungszeiten frei zugänglich.

Mehr Details zu den Kunstwerken finden Sie hier.

Die Fertigstellung