{"id":10019,"date":"2021-09-21T12:53:00","date_gmt":"2021-09-21T10:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.museum-re.de\/?p=10019"},"modified":"2024-09-23T10:19:44","modified_gmt":"2024-09-23T08:19:44","slug":"gespraech-mit-architekt-michel-van-ackere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/museum\/aktuelles\/gespraech-mit-architekt-michel-van-ackere\/","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch mit Architekt Michel\u00a0van\u00a0Ackere"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-onecol      \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<p><strong>Lieber Herr van Ackere, herzlich willkommen in der Landeshauptstadt! Wie gef\u00e4llt Ihnen Wiesbaden?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr gut! Ich habe hier in den letzten Jahren immer wieder viele Tage verbracht. Schlie\u00dflich war unser architektonischer Anspruch, dass sich der neue Museumsbau an seinem Platz in das Stadtbild einf\u00fcgt. Deswegen musste ich intensiv recherchieren und hatte Zeit, mich mit Wiesbaden n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Zum Bau kommen wir gleich. Aber zun\u00e4chst zu Ihnen: Erz\u00e4hlen Sie uns von sich. Welchen Lebensweg haben Sie genommen, bis Sie in Tokio beim ber\u00fchmten Architekten Fumihiko Maki gelandet sind?<\/strong><\/p>\n<p>Wie mein Name vermuten l\u00e4sst, liegen meine famili\u00e4ren Wurzeln in Europa. Meine Eltern sind in den f\u00fcnfziger Jahren aus Belgien in die USA emigriert. Ich kam in Poughkeepsie zur Welt, einem kleinen Ort im Bundesstaat New York. Zuhause sprachen wir eine Mischung aus Franz\u00f6sisch und Englisch. Meine Mutter Huguette war Pianistin, mein Vater Albert S\u00e4nger. Beide arbeiteten als Musiklehrer am Vassar College, wir wohnten direkt auf dem Campus. Damals wurde auf dem Gel\u00e4nde viel gebaut, als Kind habe ich die Errichtung neuer Schulgeb\u00e4ude mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit verfolgt. Und auch die Bibliothek war in einem beeindruckenden Haus untergebracht. Schon als kleiner Junge wusste ich, dass ich Architekt werden will!<\/p>\n<p><strong>Welchen Ausbildungsweg haben Sie dann genommen?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Studienzeit begann an der Brown University in Providence, dort studierte ich Architekturgeschichte. Parallel belegte ich Kurse an der Rhode Island School of Design, um meine theoretischen Kenntnisse durch das Erlernen praktischer Methoden zu erg\u00e4nzen. Auch ein einj\u00e4hriges Auslandssemester in D\u00e4nemark erm\u00f6glichte mir, meine gestalterischen F\u00e4higkeiten weiterzuentwickeln. Weil so ein Studium in Amerika ziemlich teuer ist, habe ich mir als Tellerw\u00e4scher und Burger-Brater etwas dazuverdient. Nach vier Jahren erhielt ich mein Bachelor-Degree und sammelte als junger Absolvent drei Jahre Berufserfahrung in einem Architekturb\u00fcro.<\/p>\n<p><strong>Wie ging es dann weiter?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mein Architektur-Masterstudium bewarb ich mich an der Harvard University, dort musste ich eine Mappe mit Entw\u00fcrfen einreichen. Damals war das nat\u00fcrlich alles handgezeichnet, es gab noch keine Computer. Zu meinem gro\u00dfen Gl\u00fcck konnte ich mir einen Studienplatz in der Eingangsklasse mit ca. 50 Studentinnen und Studenten sichern! Gerne denke ich an diese Zeit zur\u00fcck. Ein besonders guter Lehrer war der Architekt Mohsen Mostafavi, der sp\u00e4ter sogar zum Dekan der Harvard Graduate School of Design ernannt wurde.<\/p>\n<p><strong>Harvard z\u00e4hlt sicherlich zu den besten Hochschulen der Welt. Verfolgten Sie danach einen konkreten Karriereplan?<\/strong><\/p>\n<p>Mit so einem Plan musste ich mich zun\u00e4chst nicht besch\u00e4ftigen, denn die Harvard University bot mir \u2013 als Belohnung f\u00fcr meinen guten Studienabschluss \u2013 im Rahmen eines Fellowships ein mehrmonatiges Projekt im Ausland an. Ausgestattet mit Geldern der Hochschule durfte ich an der Kyoto University zu Machiyas forschen. Das sind traditionelle japanische Stadth\u00e4user aus Holz. Die japanische Kultur hat mich fasziniert, ich f\u00fchlte mich im Land wohl. Und weil die Aussicht auf einen Job in den Vereinigten Staaten aufgrund der wirtschaftlichen Situation zu diesem Zeitpunkt eher schlecht war, bewarb ich mich nach dem Ende des Forschungsprojekts im Architekturb\u00fcro von Itsuko Hasegawa in Tokio. Dort arbeitete ich zwei Jahre und war an der Gestaltung sowie an der Baubetreuung eines kleinen Museums beteiligt.<\/p>\n<p><strong>Und dann heuerten Sie bei Fumihiko Maki an?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Makis Arbeit hatte ich schon immer bewundert, ich wollte unbedingt von und bei ihm lernen. Er ist \u00fcbrigens selbst Alumnus der Harvard University, und seine Frau besuchte das Vassar College in meiner Heimatstadt Poughkeepsie. Bei der ersten Bewerbung bin ich noch abgeblitzt, im zweiten Anlauf klappte es dann. Und im n\u00e4chsten Jahr feiere ich meine 25-j\u00e4hrige Betriebszugeh\u00f6rigkeit!<\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol  pt-medium pb-medium layout-10-centered  \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<figure id=\"attachment_9927\" aria-describedby=\"caption-attachment-9927\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9927\" src=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/UPenn-AnnenbergPublicPolicyCenter-PhotoJeffreyTortaro.jpg\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"812\" srcset=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/UPenn-AnnenbergPublicPolicyCenter-PhotoJeffreyTortaro.jpg 1080w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/UPenn-AnnenbergPublicPolicyCenter-PhotoJeffreyTortaro-800x601.jpg 800w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/UPenn-AnnenbergPublicPolicyCenter-PhotoJeffreyTortaro-1024x770.jpg 1024w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/UPenn-AnnenbergPublicPolicyCenter-PhotoJeffreyTortaro-768x577.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9927\" class=\"wp-caption-text\">Referenz von Maki and Associates: Das Annenberg Public Policy Center der University of Pennsylvania, er\u00f6ffnet im Jahr 2009 (Foto: Jeffrey Tortaro)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_9929\" aria-describedby=\"caption-attachment-9929\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9929\" src=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/BiharMuseum-PhotoArielHuber.jpg\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/BiharMuseum-PhotoArielHuber.jpg 1080w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/BiharMuseum-PhotoArielHuber-800x352.jpg 800w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/BiharMuseum-PhotoArielHuber-1024x450.jpg 1024w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/BiharMuseum-PhotoArielHuber-768x338.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9929\" class=\"wp-caption-text\">Referenz von Maki and Associates: das 2015 im indischen Patna er\u00f6ffnete und mit dem Nachhaltigkeitspreis GRIHA ausgezeichnete Bihar Museum (Foto: Ariel Huber)<\/figcaption><\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol      \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<p><strong>An welchen Projekten waren Sie beteiligt, bevor Sie am Museum Reinhard Ernst mitgewirkt haben?<\/strong><\/p>\n<p>Oh, das waren viele! Beispielhaft kann ich einige Kulturbauten nennen, zum Beispiel das Annenberg Public Policy Center an der University of Pennsylvania, das Geb\u00e4ude f\u00fcr die Jewish Community of Japan oder das Bihar Museum im indischen Patna. Nat\u00fcrlich muss auch das \u201eHaus der Hoffnung\u201c in Natori erw\u00e4hnt werden. Diese Begegnungsst\u00e4tte entstand nach dem Tsunami als Idee vom Ehepaar Ernst in Zusammenarbeit mit ihrem Freund Fumihiko Maki und wurde 2012 er\u00f6ffnet. Bei dieser Gelegenheit lernte ich erstmals Sonja und Reinhard Ernst kennen, die mit ihrer Stiftung die Finanzierung des Hauses erm\u00f6glichten.<\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol  pt-medium pb-medium layout-10-centered  \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<figure id=\"attachment_9931\" aria-describedby=\"caption-attachment-9931\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9931\" src=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/MakiandErnstatHausderHoffnung.jpg\" alt=\"\" width=\"1020\" height=\"766\" srcset=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/MakiandErnstatHausderHoffnung.jpg 1020w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/MakiandErnstatHausderHoffnung-800x601.jpg 800w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/MakiandErnstatHausderHoffnung-768x577.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1020px) 100vw, 1020px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9931\" class=\"wp-caption-text\">Zwei langj\u00e4hrige Freunde: Architekt Fumihiko Maki (Bildmitte) und sein Freund Reinhard Ernst (Bildmitte, von hinten) \u2013 jeweils mit roter Blume \u2013 auf einem Schnappschuss im \u201eHaus der Hoffnung\u201c<\/figcaption><\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol      \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<p><strong>Wann ging es dann mit dem Museum in Wiesbaden los?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich war das Museum Reinhard Ernst ja f\u00fcr einen Baugrund in der N\u00e4he von Limburg gedacht. Daf\u00fcr entwickelten wir 2010 unseren ersten Entwurf, doch die Realisierung kam dort nicht zustande. Stattdessen bot sich eine neue Gelegenheit in Wiesbaden. Uns als Architekten gefiel die innerst\u00e4dtische Lage viel besser, auch f\u00fcr Besucherinnen und Besucher ist der Ort direkt an der Wilhelmstra\u00dfe sehr attraktiv. Aber nat\u00fcrlich mussten wir f\u00fcr die neue Situation einen ganz neuen Plan erstellen, daf\u00fcr haben wir die Architektur Wiesbadens und die direkte Umgebung des Museums genau studiert. 2017 pr\u00e4sentierten wir den Entwurf erstmals vor dem Gestaltungsrat, das positive Feedback der Architekturexperten, aber auch aus dem Rathaus und von der B\u00fcrgerschaft hat uns nat\u00fcrlich sehr gefreut.<\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol  pt-medium pb-medium layout-10-centered  \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<figure id=\"attachment_9933\" aria-describedby=\"caption-attachment-9933\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9933\" src=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Skizze_Maki.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1333\" srcset=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Skizze_Maki.jpg 2000w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Skizze_Maki-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Skizze_Maki-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Skizze_Maki-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Skizze_Maki-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9933\" class=\"wp-caption-text\">Museum Reinhard Ernst: Handskizze von Fumihiko Maki<\/figcaption><\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol      \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie die Arbeitsteilung beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Von Fumihiko Maki stammt der Entwurf des Museums, der Bau tr\u00e4gt sehr deutlich seine Handschrift. Bei der Gestaltung stimmte er sich intensiv mit Reinhard Ernst ab, der ein anspruchsvoller, kenntnisreicher Bauherr ist und ebenfalls Ideen beisteuert. Als Projektleiter bin ich ebenso f\u00fcr Design wie f\u00fcr Organisation zust\u00e4ndig und mit keinem sonstigen Projekt unseres Architekturb\u00fcros besch\u00e4ftigt \u2013 meine Zeit widme ich alleine dem Museum Reinhard Ernst. Dabei unterst\u00fctzen mich im B\u00fcro Maki Associates aktuell der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Yukitoshi Wakatsuki sowie die Architekten Ikuko Wada und Azusa Ino. Zum anderen stehe ich nat\u00fcrlich in enger Verbindung mit den Ansprechpartnern des Frankfurter Architekturunternehmens schneider + schumacher, die hier in Wiesbaden f\u00fcr die Umsetzung unserer Pl\u00e4ne verantwortlich sind.<\/p>\n<p><strong>Erz\u00e4hlen Sie uns bitte etwas zum Museum und seinen Besonderheiten.<\/strong><\/p>\n<p>Wegen seiner zentralen Stadtlage muss sich das Museum gut in sein Umfeld einf\u00fcgen. Wir haben den Bauk\u00f6rper in vier Bl\u00f6cke unterteilt, die vorderen beiden Bl\u00f6cke greifen die Villenbebauung im weiteren Verlauf der Wilhelmstra\u00dfe auf. In unserer Achitektur spiegeln wir die Proportionen dieser Villen wider. Das Museum Reinhard Ernst ist dabei etwas h\u00f6her als das Landesmuseum, aber niedriger als die gegen\u00fcberliegenden Altbauten.<br \/>\nDie wertvollen Gem\u00e4lde im Haus m\u00fcssen vor direkter Sonneneinstrahlung gesch\u00fctzt\u00a0werden, daher darf es\u00a0in den Ausstellungsr\u00e4umen keine gro\u00dfen Wandfenster geben.\u00a0Dennoch wollten wir, dass viel Helligkeit ins\u00a0Geb\u00e4ude dringt. Aus diesem Grund\u00a0ordnen sich die vier Geb\u00e4udeteile um einen zentralen Innenhof an, der\u00a0alle\u00a0Bereiche gro\u00dfz\u00fcgig mit Licht versorgt. Wenn man das Museum Reinhard Ernst\u00a0betritt, wird man \u00fcber\u00a0die helle Gesamterscheinung sicher sehr erstaunt sein.\u00a0So einen Innenhof finden Sie auch im Aga Khan\u00a0Museum in Toronto, das unser B\u00fcro\u00a0entworfen und gebaut hat.<br \/>\nInternational betrachtet gibt es in Deutschland vergleichsweise strenge Vorgaben, wenn es um den Aspekt der Nachhaltigkeit geht. Darauf k\u00f6nnen die Deutschen durchaus stolz sein, auch wenn das Bauen dadurch teurer wird. Sowohl dem Bauherrn als auch uns war es wichtig, so viele deutsche Betriebe und Materialien wie m\u00f6glich in das Bauvorhaben einzubeziehen. Reinhard Ernst ging in vielen Punkten auch \u00fcber die gesetzlichen Anforderungen hinaus, was man alleine am \u201egr\u00fcnen\u201c Dach mit seinen Photovoltaik-Panels sehen wird.<br \/>\nWiesbaden ist \u2013 von der architektonischen Perspektive betrachtet \u2013 eine \u201eSteinstadt\u201c. Deswegen erschien es uns unangemessen, dem Museum eine Haut aus Metall oder Holz zu geben. Gleichzeitig wollten wir auch nicht beige oder braune Steine verwenden, sondern einen eigenen Charakter vermitteln. F\u00fcr die Fassade haben wir in Absprache mit Reinhard Ernst deshalb ganz besonderes, strahlend wei\u00dfes Granit ausgew\u00e4hlt. In diesem konkreten Fall mussten wir einen Kompromiss in Bezug auf die ansonsten kurzen Transportwege machen, denn so ein spezieller Stein ist in Europa nicht zu finden.<\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol  pt-medium pb-medium layout-10-centered  \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9935\" src=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190913-ExteriorFrontalView.jpg\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"649\" srcset=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190913-ExteriorFrontalView.jpg 1080w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190913-ExteriorFrontalView-800x481.jpg 800w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190913-ExteriorFrontalView-1024x615.jpg 1024w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190913-ExteriorFrontalView-768x462.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/>Museum Reinhard Ernst: Fr\u00fche Computervisualisierung der Frontseite<\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol      \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<p><strong>Die Fassadenteile werden aktuell montiert, auf das Granitkleid kann man also gespannt sein. Wie w\u00fcrden Sie das Museum im Inneren beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Das Erdgeschoss wird offen und einladend wirken. Besucherinnen und Besucher verlieren durch den gro\u00dfen Innenhof nie die Orientierung. Man kann sich im Museum frei bewegen; es gibt keine Vorgabe, in welcher Richtung man durch das Haus laufen soll. Anders als in vielen anderen Museen f\u00fchlt man sich niemals verloren oder denkt, man \u201elaufe verboten\u201c. Allein mit diesem Thema und der Anordnung der R\u00e4ume haben wir uns monatelang besch\u00e4ftigt.<br \/>\nWeil ganz spezielle Kunstwerke in verschiedenen Proportionen ausgestellt werden, gibt es im Museum sehr gro\u00dfe und hohe, aber auch kleinere R\u00e4ume. Zwischen den vier genannten Geb\u00e4udeteilen wird man durch f\u00fcnf Meter breite und ca. zehn Meter hohe Fenster auf die st\u00e4dtische Umgebung schauen k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Blickachsen im Museum sind frei. Trotz gro\u00dfer r\u00e4umlicher Spannweiten gibt es keine S\u00e4ulen, die die Sicht versperren. In unserem ersten Modell waren noch St\u00fctzen eingeplant; den Tragwerksplanern gaben wir dann die Aufgabe, alle St\u00fctzen zu entfernen. Das war eine echte Herausforderung, die aber durch die Experten des Ingenieurunternehmens Bollinger + Grohmann erfolgreich bew\u00e4ltigt wurde. Nur im Museumsb\u00fcro steht eine einzelne S\u00e4ule \u2013 die musste aus statischen Gr\u00fcnden bleiben. Man sollte vielleicht bemerken, dass wir gerade in Bezug auf die Statik extrem verantwortungsbewusst planen. Das liegt daran, dass sich in Japan h\u00e4ufig Erdbeben ereignen. Deswegen ist besondere Stabilit\u00e4t ein wichtiger Faktor unserer Arbeit.<\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol  pt-medium pb-medium layout-10-centered  \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<figure id=\"attachment_9937\" aria-describedby=\"caption-attachment-9937\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9937\" src=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190122_MRE_PerspectiveNorthwest_Inside-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"654\" srcset=\"https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190122_MRE_PerspectiveNorthwest_Inside-1.jpg 1000w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190122_MRE_PerspectiveNorthwest_Inside-1-800x523.jpg 800w, https:\/\/www.museum-re.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/190122_MRE_PerspectiveNorthwest_Inside-1-768x502.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9937\" class=\"wp-caption-text\">Museum Reinhard Ernst: Fr\u00fche Computervisualisierung des Eingangsbereichs<\/figcaption><\/figure>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"ce ce-onecol      \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<p><strong>Wie lief die Abstimmung zum Bauprojekt w\u00e4hrend der Corona-Zeit?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr gut, aber ich bin froh, dass ich jetzt wieder reisen kann. Gerade haben wir einen Besuch bei einem Unternehmen in Stolberg unternommen, um uns f\u00fcr das Museum Terrazzob\u00f6den anzuschauen. Nat\u00fcrlich kann ich mir Proben nach Japan schicken lassen. Aber direkt beim Hersteller blickt man auf eine viel gr\u00f6\u00dfere Auswahl und kann im gemeinsamen Gespr\u00e4ch sogar neue Produktideen entwickeln. Oder wenn man in einer Aufzugskabine steht, stellt man bei der Betrachtung der Details Dinge fest, die noch optimiert werden k\u00f6nnen. Per Videokonferenz ist das nur schwer m\u00f6glich. Die Zusammenarbeit im Team funktioniert auch noch einmal besser, wenn man sich pers\u00f6nlich begegnet.<\/p>\n<p><strong>Als Partner im Architekturb\u00fcro von Fumihiko Maki sind Sie aktuell nur mit dem Museum Reinhard Ernst besch\u00e4ftigt. An welchen Projekten arbeiten Maki und sein Team derzeit noch?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Kunstmuseum in der japanischen Stadt Tottori befindet sich aktuell in der Planungsphase. An der Universit\u00e4t Kei\u014d bauen wir derzeit ein Studentenwohnheim. Das Team ist au\u00dferdem mit drei Wolkenkratzern besch\u00e4ftigt \u2013 in Tokio, Singapur und Manila.<\/p>\n<p><strong>Eines der ber\u00fchmtesten Geb\u00e4ude von Pritzker-Preistr\u00e4ger Maki aus j\u00fcngerer Zeit ist sicherlich das 300 Meter hohe \u201e4 World Trade Center\u201c in New York City, das 2013 als erstes Haus auf dem Gel\u00e4nde von Ground Zero er\u00f6ffnet wurde. Wie viele Bauten hat Ihr B\u00fcro eigentlich in Deutschland errichtet?<\/strong><\/p>\n<p>In M\u00fcnchen hat Maki Associates einen B\u00fcropark geplant, der Mitte der neunziger Jahre fertiggestellt wurde. 2001 folgte die Er\u00f6ffnung eines von uns entworfenen B\u00fcrogeb\u00e4udes im D\u00fcsseldorfer Hafen. Das Museum Reinhard Ernst ist unser dritter Bau in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Es gibt \u2013 zugegebenerma\u00dfen wenige \u2013 Menschen, die sehen aktuell den Rohbau mit seiner noch unverkleideten Fassade und sagen: So ein Betonklotz, das ist doch nichts f\u00fcr die Wilhelmstra\u00dfe!<\/strong><\/p>\n<p>In Japan w\u00fcrde man ein Haus mit einer solchen Bedeutung komplett einr\u00fcsten, mit einer Abdeckung verh\u00fcllen und den Blick auf das Geb\u00e4ude erst nach seiner Fertigstellung erm\u00f6glichen. Der Sichtschutz verschwindet dann zum Zeitpunkt der Er\u00f6ffnung \u2013 wie bei einem Weihnachtsgeschenk, das man zum Fest feierlich auspackt. Dann w\u00fcrden sich viele Zweifel und Fragen w\u00e4hrend der Bauphase gar nicht erst ergeben. In Deutschland ist diese Verh\u00fcllung bis zum Schluss nicht \u00fcblich, au\u00dferdem w\u00e4re das nat\u00fcrlich mit enormen Zusatzkosten verbunden. Ich bin aber davon \u00fcberzeugt, dass die Wiesbadener B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sehr gl\u00fccklich mit dem Ergebnis sein werden!<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr diesen positiven Ausblick, lieber Herr van Ackere! Wie hat Ihnen \u00fcbrigens w\u00e4hrend unseres Gespr\u00e4chs die Frankfurter Gr\u00fcne So\u00dfe geschmeckt?<\/strong><\/p>\n<p>Ausgezeichnet! So etwas bekomme ich in Tokio nicht.<\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Lockdown mit seinen monatelangen Einschr\u00e4nkungen im Flugverkehr konnte Michel van Ackere \u2013 Projektleiter f\u00fcr das Museum Reinhard Ernst im japanischen Architekturb\u00fcro Maki and Associates \u2013 endlich wieder nach Wiesbaden reisen. Normalerweise w\u00e4re er alle sechs Wochen auf der Baustelle gewesen, undenkbar in Corona-Zeiten mit zweiw\u00f6chiger Quarant\u00e4ne. Nun aber \u00fcberzeugte er sich vor Ort vom plangem\u00e4\u00dfen Baufortschritt \u2013 und stellte sich f\u00fcr ein Interview zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"content-type":"","_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-10019","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bau"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10019"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10019\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15001,"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10019\/revisions\/15001"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.museum-re.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}