Das Werk Centre de Dominance (dt. Kraftfeld) markiert einen entscheidenden Übergang im Schaffen Judit Reigls. Die gleichnamige Serie erstreckt sich im Zeitraum von 1957 bis 1959 und entwickelt sich unmittelbar aus der vorhergehenden Werkgruppe Éclatement (dt. Ausbruch). Während zuvor die Dynamik noch als Explosion aus einem inneren Druck heraus erscheint, verdichtet sich dieses Prinzip in Kraftfeld zu einem wirbelnden System, in dem die Formen aus der Bildmitte heraus nach außen streben.
Zentral für dieses künstlerische Verfahren ist Reigls Einsatz des eigenen Körpers als Werkzeug. Der Malprozess wird zu einer physischen Handlung, bei der Bewegung, Rhythmus und Energie durch den Gestus unmittelbar im Bild eingeschrieben werden. Wie schon in Éclatement trägt sie die Farbe zunächst pastos auf den Bildträger auf, sodass eine dichte, reliefartige Oberfläche entsteht. Im Anschluss bearbeitet sie diese Masse mit dem Spatel, den sie in dynamischen, entschiedenen Bewegungen vom Zentrum zu den Rändern führt. Die flackernden Rottöne erinnern uns an züngelnde Flammen.
Die Entstehung von Centre de Dominance selbst beschreibt Reigl rückblickend als ambivalenten Moment: „Als ich das erste Bild der Serie Kraftfeld (Centre de dominance) fertig gemalt hatte, gefiel es mir nicht, weil ich es für ein misslungenes Exemplar von Ausbruch (Éclatement) hielt. Ich wollte es wegwerfen, aber jetzt bin ich sehr froh, dass es noch existiert. Ich habe nie geplant, auf eine bestimmte Art und Weise zu malen; was immer aus mir herauskam, kam aus meinem Inneren, und ich musste es ganz einfach akzeptieren.“ [1] Dieses Zitat verdeutlicht, dass Reigls künstlerische Entwicklung ein organischer Prozess, der sich aus der Praxis selbst heraus ergab.
Judit Reigl (1923–2020)
Centre de Dominance, 1957
Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))
Material: Öl auf Leinwand
Größe: 144,5 x 152 cm
Inv-Nr.: B_464
Bildrechte: Standard Urheberrechtsbestimmungen: VG Bild-Kunst, Bonn; Copyright: Fonds de dotation Judit Reigl
Schlagworte:
Vorbesitzer: Privatsammlung Frankreich, 1957; Vorbesitzer: unbekannt; Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst, Sotheby’s Paris, 2018
[1] Judit Reigl, Interview with Janos Gat, Paris 2021, S. 69.
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