Das künstlerische Schaffen von K.R.H. Sonderborg ist untrennbar mit den politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen des 2. Weltkrieges verbunden. Geboren 1923 in Sønderborg (DK), wuchs er in einem Künstlerhaushalt mit einem Jazzmusiker als Vater in Hamburg auf. Von ihm erbte er die Leidenschaft zur afroamerikanischen Musik, deren Sound und Rhythmus, auch in seiner Malerei spürbar wird. Als sogenannter „Swing Boy“ stand er im Widerspruch zur völkischen Ideologie der Nationalsozialisten und wurde 1941 für ein halbes Jahr im Konzentrationslager Fuhlsbüttel inhaftiert Nach dieser traumatisierenden Erfahrung entschied er sich nach Kriegsende bewusst für eine künstlerische Laufbahn. Er legte seinen bürgerlichen Namen Kurt Rudolf Hoffmann ab und nannte sich fortan nach seinem Geburtsort: K. R. H. Sonderborg.

In der Malerei fand er seine persönliche Form der Freiheit. Für ihn war sie ein Ereignis und eine Darstellung des Erlebten– und so lassen sich in seinen grafischen Strukturen Metropolen wie Paris und New York erkennen, in denen er ab den 1960er Jahren im Wechsel lebte und arbeitete.

In Ohne Titel von 1960 wird die Geschwindigkeit seines Arbeitsprozesses förmlich spürbar. Die besonders glatte Oberfläche der Fotoleinwand ermöglichte es ihm, den Pinsel mit großer Schnelligkeit über den Malgrund zu führen. Anschließend entfernte er die Farbe teilweise wieder mit dem Spachtel oder ungewöhnlicheren Werkzeugen wie Rasiermessern oder Scheibenwischern. Zudem arbeitete er mit Eitempera, das aus Pigmenten, Eigelb, Wasser und Öl besteht und sehr rasch trocknet. Diese Materialeigenschaften verlangten eine zügige und entschlossene Arbeitsweise und prägten den Charakter seiner Malerei. Das Ergebnis sind dynamische Kompositionen, in denen sich Großstadtimpressionen, Zeitgeschichte und Musik zu einer intensiven künstlerischen Handschrift verbinden.

K. R. H. Sonderborg

Ohne Titel, 1960

Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))

Material: Eitempera auf Fotoleinwand
Größe: 108 x 69,5 cm
Inv-Nr.: A_89
Bildrechte: Standard Urheberrechtsbestimmungen: Galerie Maulberger, München

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Provenienz

Vorbesitzer: Sammlung Rothschild, Paris; Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst; Privatbesitz München, 2001