Kenneth Noland gründete zusammen mit Morris Louis Ende der 1950er Jahre die Washington Color School – eine Bewegung, die sich intensiv mit Farbe und Oberfläche auseinandersetzte und neue Wege der Abstraktion beschritt. Zusammen besuchten sie Helen Frankenthalers Atelier, wo sie das Arbeiten auf ungrundierter, unbehandelter Leinwand kennenlernten. Interessant ist, dass der Kunstkritiker Clement Greenberg die beiden Künstler in Frankenthalers Abwesenheit in ihr Atelier einlud, um ihnen diese neuartige Malweise zu zeigen. Sie adaptierten die von Frankenthaler entwickelte Soak-Stain-Technik auf jeweils eigene, beeindruckend unterschiedliche Weise: Louis goss die Farbe auf die Leinwand, während Noland weiterhin mit traditionellen Werkzeugen wie Pinsel, Spachtel und Rolle arbeitete.
Kenneth Noland, der sich intensiv mit dem Zusammenspiel von Farbe und geometrischen Formen auseinandersetzte, begann Anfang der 1960er Jahre mit seiner Chevron-Serie, die aus dreieckigen Farbbändern besteht. Diese Werkgruppe bot eine ideale Möglichkeit, die Beziehung zwischen Form und Farbe weiter zu erforschen. So kehrte er immer wieder zur V-Form zurück und fand innerhalb des gleichen Motivs stets neue Ausdrucksformen. Die Werke dieser Serie, die in den 1980er Jahren entstanden, zeigen Nolands besonderes Interesse an der Oberfläche. Der Gestus, mit dem er die Farbe in verschiedenen Schichten und Tiefen dick und dünn auftrug, ist deutlich erkennbar. Besonders spannend ist, dass Noland in Florida je Farbband zwei Farben übereinanderschichtete. So legt sich eine dicke schwarze Farbschicht über ein leuchtendes Pink oder ein glitzerndes Gelbgold über ein saftiges Grün.
Kenneth Noland lernte den Kunstkritiker Clement Greenberg im Sommer 1950 am Black Mountain College kennen. Greenberg versammelte die Künstler:innen, die in ihrem Werk den Abstrakten Expressionismus vorantrieben – nicht nur auf intellektueller Ebene, sondern auch durch die unmittelbare Präsenz ihrer Werke. In seinem Wohnzimmer hing neben Werken von Helen Frankenthaler, Morris Louis, Jules Olitski und Wolfgang Hollegha auch ein Werk von Kenneth Noland – ein symmetrisches Chevron-Gemälde, wie es sich heute in der Sammlung Reinhard Ernst befindet.
Kenneth Noland (1924–2010)
Florida, 1983
Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!))
Material: Acryl auf Leinwand
Größe: 216 x 176,8 cm
Inv-Nr.: B_462
Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn
Schlagworte:
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst; Artcurial Paris, 03.12.2018