Nach den Kriegsjahren suchte K. O. Götz Anschluss an die internationale Avantgarde. Bereits 1947 brachte der befreundete Major William Gear Monotypien des Künstlers nach Paris, wo sie zusammen mit Arbeiten von Henri Goetz, Hans Hartung und Michel Seuphor in der Galerie des Deux-Îles gezeigt wurden. Positive Resonanz bestärkte ihn, sein künstlerisches Arbeiten künftig „mit vielen Gleichgesinnten aus aller Welt“ international auszurichten, um die verlorene Zeit der Isolation aufzuholen. [1]
Eine zentrale Rolle spielte dabei Paris, das Götz seit 1950 regelmäßig bereiste. Die Stadt bot ihm mit ihrer Dichte an Galerien, Salons und Foren für junge Kunst einen regelrechten Bilderrausch. Parallel dazu gewann er durch seine Herausgeberschaft der surrealistischen Zeitschrift Meta sowie als Korrespondent internationaler Kunstzeitschriften, insbesondere in Frankreich, an Bekanntheit.
Der entscheidende Wendepunkt erfolgte jedoch 1952 mit der Entdeckung seiner Maltechnik. Zuvor hatte Götz mit Ölfarbe gearbeitet, die ihm jedoch „zu zäh, zu langsam“ [2] erschien, um die gewünschte Dynamik zu entfalten. Im Jahr 1969 beschreibt er den Zufall, der zur Innovation führte: „Als ich eines Tages Kleisterfarbe für meinen kleinen Sohn anrührte, fand ich quasi durch Zufall meine schnelle Maltechnik: Erst Kleister aufs Papier, dann mit Gouache schnell hineingearbeitet, dann mit dem Messer oder Rakel die Farbe aufgerissen…“. [3] Diese Methode erlaubte es ihm, Formen aufzubrechen und ein Wechselspiel von Positiv und Negativ zu erzeugen, in dem sich Figur und Grund gegenseitig durchdringen.
Das Werk Ohne Titel von 1954 ist ein frühes aus dieser neuen Phase, in dem sich die neu entwickelte Technik und Konzeption vollständig entfalten. Die spontane, gestische Dynamik, das Aufreißen und Überarbeiten der Farbflächen sowie die Auflösung klarer Formen spiegeln Götz’ Suche nach einer unmittelbaren, prozesshaften Bildsprache wider.
Karl Otto Götz (1914–2017)
Ohne Titel, 1954
Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))
Material: Mischtechnik auf Leinwand
Größe: 54,5 x 70 cm
Inv-Nr.: A_10
Bildrechte: Standard Urheberrechtsbestimmungen: VG Bild-Kunst, Bonn
Schlagworte:
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst; Privatbesitz Rheinland, 1998
[1] Martin Schieder: „Stromprickelnd befeuert. K. O. Götz und die Pariser Kunstszene in den 50er Jahren“, in: K. O. Götz – Impuls und Intention. Werke aus dem Saarland Museum und aus Saarbrücker Privatbesitz, hrsg. von Ralph Melcher, Worms 2004, S. 67–78, hier S. 67/68.
[2] Ina Ströher: „Die Metamorphose als Leitfaden im Werk von K. O. Götz“, in: K. O. Götz, Ausst.-Kat. Die Galerie, Frankfurt 2014, S. 85–98, hier S. 85.
[3] K. O. Götz in einem Brief an den Leiter der Kunsthalle Mannheim Dr. K.H. Fuchs 1969, zit. n. German Action, hrsg. von Galerie Maulberger, Ausst.-Kat., München 2009, S. 14.
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