1959 wurde Friedel Dzubas US-Staatsbürger und kehrte im selben Jahr, zwei Jahrzehnte nach seiner Flucht, erstmals nach Deutschland zurück. Seine zehnmonatige Reise führte ihn entlang der Donau von Süddeutschland nach Österreich, wo er barocke Kirchen besichtigte und eine Woche in der Abtei Melk verweilte. Längere Zeit hielt er sich in Würzburg auf, um die Fresken von Tiepolo in der fürstbischöflichen Residenz zu studieren. Am Ende seines Aufenthalts kehrte er auf Drängen seiner Familie nach Ost-Berlin zurück, wo diese seit Kriegsausbruch in Armut lebte. In der Folge entsteht eine Serie von 21 sogenannten Black Paintings, die sowohl als Allegorie seiner Migrationserfahrung als auch als Ausdruck seiner wiederentdeckten Affinität zum christlichen Glauben gelesen werden können.

One Times One von 1961 markiert das Ende dieser dunklen Phase und gilt als Schlüsselwerk der frühen 1960er Jahre. Noch im Jahr seiner Fertigstellung erwarb es das Guggenheim Museum in New York. Das Gemälde steht exemplarisch für ein neues Verständnis von reduzierter, flächiger Malerei. Kritiker wie Clement Greenberg würdigten diese Entwicklung besonders: In einem Brief von 1977 bezeichnete er es als „one of the best postwar items that the museum owns“. [1] Bei der Ausstellung Post Painterly Abstraction, die Greenberg 1964 im Los Angeles County Museum kuratierte, vereinte er 31 Positionen – darunter Friedel Dzubas, Helen Frankenthaler, Morris Louis, Jules Olitski und Kenneth Noland –, die auf verschiedenen Wegen eine neue Klarheit und Offenheit in der abstrakten Malerei anstrebten. One Times One steht stellvertretend für Dzubas’ künstlerischen Neubeginn, in dem er seinen gestisch-kalligrafischen Ausdruck hinter sich lässt und die Farbe zum zentralen Thema seines Schaffens erhebt.

Friedel Dzubas (1915–1994)

One Times One, 1961

Aktuell ausgestellt: Nein

Material: Acryl auf Leinwand
Größe: 214,4 x 177,5 cm
Inv-Nr.: B_336
Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn; Copyright: Estate of Friedel Dzubasc/o Yares Art, Patricia L Lewy, NY, New York

Schlagworte:

Provenienz

Verkauf: Robert Elkon Gallery, New York, bis 1961; Vorbesitz: Solomon R. Guggenheim Museum, New York
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst, Sotheby’s New York, 2015

Ausstellungsliste

New York: Robert Elkon Gallery, „Dzubas: Recent Paintings“, 1961
New York: S.R. Gugenheimn Museum, Erwerbungen 1961, Jan. bis Febr. 1962
New York: Guggenheim Museum: American Painters through two Deacdes from the Museums Collection, Febr. – April 1973
Houston: The Museum of Fine Arts, „The Great Decade of American Abstraction 1960 to 1970,“ January – March 1974, cat. no. 32 (verso Aufkleber)
New York: Guggenheimn Museum, „American Postwar Painting from the Guggenheim Collection“, July – September 1977

Fußnoten

[1] Patricia L. Lewy: „Greenberg on Dzubas“, online publiziert: https://nonsite.org/greenberg-on-dzubas/ (Zugriff: 15.5.2025).