„Ich hielt mich an den alten Programmpunkt der Surrealisten: ‚Durch psychischen Automatismus und Paroxysmus das Wunder beim Schopfe packen.‘ Für meine Malerei bedeutete dies: Nach vorausgegangener Meditation eines einfachen Bildschemas – höchste Steigerung des subjektiven Ausdrucks durch die Schnelligkeit des Malvorgangs, um dadurch die Grenzen der eigenen subjektiven Vorstellung zu sprengen. Dieses scheinbare Paradoxon mag an die Praxis der heutigen japanischen Zen-Maler, der Bokubi-Gruppe erinnern. Aber ich fühle mich mehr der surrealistischen und damit der romantischen Tradition verbunden … auf der Suche nach dem poetischen Ausdruck im Bild.“ [1]
Mit diesen Worten beschreibt Karl Otto Götz 1969 seine künstlerische Praxis als spannungsreiche Verbindung von kontrollierter Anlage und spontaner Entäußerung. Entsprechend heterogen erscheinen seine Werke in ihrer kompositorischen Struktur: Während frühe Arbeiten der 1950er Jahre durch ein dynamisches Gegeneinander divergierender Kräfte geprägt sind, in denen sich Bildbewegungen überlagern und brechen, bündeln sich diese Energien in Gemälden wie Blafoss (1957) zu klar geführten Bewegungsströmen. Hier dominiert eine diagonale Hauptbewegung von links oben nach rechts unten, die den Eindruck eines fließenden, gerichteten Prozesses erzeugt.
Das Jahr 1957 markiert einen entscheidenden Einschnitt in der Rezeption des Informel. Mit der Ausstellung Lebendige Farbe – Couleur vivante im städtischen Museum in Wiesbaden, initiiert von Direktor Clemens Weiler, erfuhr die informelle Malerei große institutionelle Anerkennung in der Bundesrepublik. Die Gegenüberstellung deutscher und französischer Positionen machte das Informel als internationale Strömung sichtbar. Parallel dazu war Götz an der Ausstellung Eine neue Richtung in der Malerei in der Kunsthalle Mannheim beteiligt. Weiler hatte bereits zuvor die Künstler der Frankfurter Quadriga gefördert, sie ausgestellt und systematisch gesammelt, sodass ihre zuvor marginalisierte Position nun museal legitimiert und nachhaltig verankert wurde.
Karl Otto Götz (1914–2017)
Blafoss, 1957
Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))
Material: Mischtechnik auf Leinwand
Größe: 175 x 144,5 cm
Inv-Nr.: A_298
Bildrechte: Aktiv: Foto: Roman Maerz; Standard Urheberrechtsbestimmungen: VG Bild-Kunst, Bonn
Schlagworte:
Vorbesitzer: Graphisches Kabinett Wolfgang Werner, Bremen , 1992 […]Vorbesitzer: Privatbesitz, Gladbeck; Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst, 2026;
2014/15
MKM Museum Küppersmühle in Duisburg
2013/14
Berlin, Kunsthandel Wolfgang Werner, K. O. Götz, Werke 1947-2012.
2011
Berlin, Kunsthandel Wolfgang Werner, Amerika-Europa
2010
Remagen, arp museum Bahnhof Rolandseck, Kalr Otto Götz, In Erwartung blitzschneller Wunder
2004
Berlin, Kunsthandel Wolfgang Wener, Appel Baumeister Götz Jorn Nay Schumacher
1986
Bremen, Graphisches Kabinett Wolfgang Werner, Wotruba 1907-1975, Skulpturen; Bilder von Appel bis Schumacher
1969
Mannheim, Kunsthalle, Karl Otto Götz
1958
Venedig, XXIX Biennale di Venezia
1958
Düsseldorf, Galerie 22, K. O. Götz
[1] Götz, 1969, zit. n.: Karl Otto Götz. Informelle Arbeiten 1952–1992, Ausst.-Kat. Kunstverein Ludwigshafen am Rhein, 1993, S. 32.
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