In der Ausstellung Lebendige Farbe – Couleur vivante, die am 7. April 1957 im damaligen Städtischen Museum Wiesbaden eröffnet wurde, war auch Gerhard Hoehmes Werk branilen vertreten, das sich heute in der Sammlung Reinhard Ernst befindet. Die Ausstellung präsentierte abstrakte französische und deutsche Malerei und setzte damit ein avantgardistisches und mutiges Zeichen im Nachkriegsdeutschland. Die Schau betonte das Gefühl der Zusammengehörigkeit einer neuen Stilrichtung und stellte das deutsche Informel in Dialog mit der École de Paris. Wie viele seiner Weggefährten des Informel verstand auch Hoehme das Ende des Zweiten Weltkriegs als einen möglichen Neuanfang der Kunst. Farbe wurde für ihn zu seinem zentralen Ausdrucksmittel. Er schloss sich 1953 der Gruppe 53 an – einer Künstlergruppe, die zusammen mit Quadriga und ZEN 49 zu den wichtigsten Vertretern der abstrakten Kunst im Nachkriegsdeutschland gehörten.
Bei branilen trägt Hoehme die Ölfarbe in zahlreichen Schichten auf die Leinwand auf. Es überwiegt eine erdigen Farbpalette, ergänzt durch ein intensives Blau. Teilweise pastos, teilweise mit sichtbar gebliebenem Pinselduktus, entsteht eine lebendige, bewegte Oberfläche. An einigen Stellen hat der Künstler die Farbe wieder abgekratzt, sodass darunterliegende Schichten erneut hervorbrechen. Das Werk steht beispielhaft für eine Kunstauffassung der 1950er-Jahre, die das Werk als ein Ergebnis eines offenen und ereignishaften Prozess begreift.
Gerhard Hoehme
branilen, 1957
Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))
Material: Öl auf Leinwand
Größe: 130 x 80 cm
Inv-Nr.: B_497
Bildrechte: Standard Urheberrechtsbestimmungen: VG Bild-Kunst, Bonn; Aktiv: Photo: Martin Url
Schlagworte:
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst; Grisebach , 29.11.2019
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