„Da sich bei fast allen Ausdrucksweisen die Organisation des Bildes auf eine beschränkte Zahl von ‚Schwerpunkten’ stützt, wird das Hauptgewicht nicht mehr auf die Beziehungen-Zueinander der einzelnen Teile des Bildes gelegt, sondern auf das Ensemble, die Gesamtheit dieser Beziehungen“ [1], konstatierte Jaroslav Serpan 1963. Sein Gemälde CVVIWJ von 1960 nimmt diese Entwicklung bereits vorweg: Das hier im kleinen Format erprobte Gestaltungskonzept steigert der Künstler 1966 im Werk o. T. ins Monumentale. CVVIWJ zeichnet sich durch ein Geflecht schwarzer Strichformen aus, die sich in der oberen Bildhälfte verdichten und so eine aufsteigende Bewegung erzeugen. Leuchtende Farbakzente in Gelb- und Rottönen verleihen den Formen eine glühende Intensität. Ein cremefarbener Grund mit farbigen Sprenkeln scheint die ornamentale Komposition zu hinterfangen und verleiht ihr Räumlichkeit. Die reduzierte Farbpalette mit zarten Akzenten in Gelb, Rot, und Blau verstärkt die Tiefenwirkung ebenfalls.

Schwarze Linienformationen, Spiralen und Augen-Formen überlagern sich zu einem netzartigen, organisch-zeichenhaften Ensemble, das spannungsvoll zwischen kontrollierten Setzungen und spontaner Geste changiert. Die Oberflächenstruktur sowie die Schichtung der Striche verleihen dem Gemälde zudem eine haptische Qualität. 1940 begann Serpan als Autodidakt zu malen, 1953 promovierte er in statistischer Biologie an der Sorbonne und lehrte anschließend an einer Pariser Universität. Das Werk entstand 1959 unmittelbar nach seiner erfolgreichen Teilnahme an der documenta II, die ihm internationale Anerkennung brachte. Charakteristisch für seine Arbeiten um 1960 ist die Verbindung von vermeintlich monochromem Grund und dichten schwarzen Strichformationen.

Jaroslav Serpan

CVVIWJ, 1960

Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))

Material: Öl auf Leinwand
Größe: 80 x 40 cm
Inv-Nr.: A_17
Bildrechte: Standard Urheberrechtsbestimmungen: VG Bild-Kunst, Bonn

Schlagworte:

Provenienz

Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst; 1999

Ausstellungsliste

1995
Las Palmas de Gran Canaria, Centro Atlantice de Arte Moderno,
„El poeta como artista“

Fußnoten

[1] Serpan, Ausst.-Kat. München, Galerie van de Loo 1963, München 1963, o. S.