Der Werktitel Evocation du Rouge (dt. Beschwörung von Rot) manifestiert sich durch ein intensives Rot, das wie ein Geschwür aus der Leinwand hervorbricht. 1956 beschrieb die in Paris lebende Kunstkritikerin Herta Wescher diesen besonderen Charakterzug der Werke von Wilhelm Wessel bildhaft: „Auf den Leinwänden Wessels wirken die Farbmassen wie brodelnde Lava, die wie aus sich selbst zerklüftete Inseln formt oder sich zu Monumenten türmt, die wie Mahnmale ins Chaos ragen.“ [1] Das über zwei Meter hohe Gemälde zeigt die für Wilhelm Wessel charakteristische Malweise, die ihn zu einem wichtigen Vertreter des deutschen Informel machte.
Dass es dazu kam, war keineswegs selbstverständlich. Denn erst mit etwa fünfzig Jahren fand er zu einer abstrakten Bildsprache. Dennoch wurde 1936 seine Kunst als „entartet“ eingestuft. Obwohl 1937 ein Malverbot folgte, konnte er als Lehrer und Künstler weiterarbeiten. Während des Zweiten Weltkriegs diente er zunächst als Offizier, später als Kriegsmaler und war an der Produktion kriegsverherrlichender Propaganda beteiligt.
Nach dem Krieg begann für Wessel ein radikaler Neuanfang. Er richtete seinen Blick verstärkt ins Ausland, vor allem nach Paris. Seine Sprachkenntnisse halfen ihm dabei, die deutsche Nachkriegskunst europaweit wieder sichtbar zu machen. So organisierte er 1954 die erste Ausstellung deutscher Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg im Stedelijk Museum in Amsterdam.
Ein Jahr später folgte, gemeinsam mit dem Pariser Galeristen René Drouin, eine Präsentation zeitgenössischer nichtfigurativer Kunst aus Deutschland. René Drouin war es auch, der zusammen mit dem Clemens Weiler, dem Direktor des damaligen Städtischen Museums, die wegweisende Ausstellung Lebendige Farbe – Couleur vivante in Wiesbaden initiierte.
Wilhelm Wessel
Evocation du Rouge, 1958
Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))
Material: Öl und Sand auf Leinwand
Größe: 198,7 x 81 cm
Inv-Nr.: B_81
Bildrechte: Standard Urheberrechtsbestimmungen: Wilhelm Wessel / Irmgart Wessel-Zumloh e.V., Martin Roder, Iserlohn
Schlagworte:
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst; Elfi Pohl, Köln, 2010
[1] Herta Wescher, in: Wilhelm Wessel, Text zur Ausstellung, Galerie Springer, 1956.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Hubspot Embedded Content. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von HubSpot. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Hubspot Meetings. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen