Mit einer Länge von zwölf Metern und einem Gewicht von sieben Kilogramm veranschaulicht Jaroslav Serpans monumentales Gemälde, das er für eine Ausstellung 1967 im Kölnischen Kunstverein schuf, eindrucksvoll sein Interesse für großformatige, raumgreifende Arbeiten. Die starke horizontale Ausrichtung verleiht dem Werk eine panoramaartige Weite, die dazu einlädt, in die bewegten Formen einzutauchen.
Die Arbeit zeigt Serpans charakteristische „Ensemblestrukturen“, bei denen sich Einzelformen zu komplexen, bewegten Strukturen zusammenfügen. Die Komposition besitzt kein klassisches Bildzentrum – wie ein organisches Gewebe entfaltet sich eine bewegte schwarze Strichlandschaft, die die Betrachtenden anregt die Leinwand abzuschreiten.
In der Kölner Ausstellung zeigte Serpan aktuelle Arbeiten, mit denen er sich der malerischen Aufgabe stellte „die Freiheit spontanen Ausdrucks in den Dienst des unerläßlich strengen Gesamtaufbaus des Bildes zu stellen“. Er wollte „einerseits eine ‚Form‘, eine feste Ordnung“ suchen, die „andererseits zugleich ‚offen‘, d. h. voll verschiedenartigster Möglichkeiten des Bedeutungs- und Gestaltwandels sein“ sollte. [1]
Die unkonventionelle Anbringung, bei der die Leinwand direkt an der Wand fixiert wurde, ließ das Werk mit dem architektonischen Raum verschmelzen und steigerte so seine immersive Wirkung. Überhaupt hatte Serpan ein Interesse an Wandmalerei: Bereits 1957 hatte er sein Wohnhaus in Le Pecq, westlich von Paris gelegen, mit großformatigen Wandfresken ausgestattet. 1972 schuf er ein monumentales Triptychon für die südfranzösische Abteikirche von Beaulieu-en-Rouergue. Dort tritt Serpans abstrakte Arbeit in der Apsis bis heute in einen spannungsvollen Dialog mit der mittelalterlichen Sakralarchitektur. [2]
Jaroslav Serpan
o.T., 1966
Aktuell ausgestellt: Ja (Ja (Judit Reigl. Couleur vivante))
Material: Öl auf Leinwand
Größe: 1.274 x 238 cm
Inv-Nr.: B_458
Bildrechte: Standard Urheberrechtsbestimmungen: VG Bild-Kunst, Bonn; Aktiv: Photo: Martin Url
Schlagworte:
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst; Brigitte Büdenhölzer Kunsthandel, 2018
1967
Kunstverein Köln
[1] Serpan: Gemälde, Collagen, Gouachen, Ausst.-Kat. Köln, Kölnischer Kunstverein 1967, Köln 1967, o. S.
[2] Geneviève Bonnefoi : Serpan, Ausst.-Kat., Beaulieu en Rouergue, Centre d’art contemporain de l’Abbaye de Beaulieu en Rouergue, 1977, Ginals 1977, S. 23.
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