Die gemeinsame Quadriga-Ausstellung mit K. O. Götz, Heinz Kreutz und Bernard Schultze in der Frankfurter Zimmergalerie Franck im Dezember 1952 markierte für Otto Greis den Beginn einer stetigen Suche nach einer eigenen, unnachahmlichen Aussage in der Malerei.
Greis begann sich mit frühgeschichtlichen und außereuropäischen Kulturen zu beschäftigen. In jedem Frühjahr und Herbst von 1957 bis 1984 lebte und arbeitete der Künstler dazu für einige Monate in Paris. Mit der Serie Tuareg, aus der das Werk Orakel stammt, fand Greis den Weg zur Figuration wieder: Die ineinander verwobenen, dunkelgrünen und schwarzen Linien erzeugen eine düstere Nachtstimmung, die mit einzelnen Lichtpunkten durchbrochen wird. Orakel stellt ein eindrucksvolles Beispiel für eine entscheidende Werkphase im Œuvre des Künstlers dar.

Otto Greis (1913–2001)

Orakel (Tuareg Serie), 1956

Aktuell Ausgestellt: Nein

Material: Mischtechnik auf Leinwand
Größe: 180 x 120 cm
Inv-Nr.: B_319
Bildrechte: Nachlass Otto Greis

Schlagworte:

Provenienz

Vorbesitz: K. Gabler, Frankfurt am Main; Sammlung Christiane Kern, Frankurt am Main, 1974; Brigitte Büdenhölzer Kunsthandel, Emmendingen, 2010; Privatbesitz
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst, Privatbesitz, 2014

Ausstellungsliste

Einzelausstellungen:
1995
„Otto Greis“, Galerie Appel und Fertsch, Frankfurt am Main; Von der Heydt-Museum, Wuppertal
1978
„Otto Greis. Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen 1947–1977“, Kunsthalle Bremen, Bremen; Staatliche Museen Kassel, Kassel
1975
„Otto Greis. Bilder der 50er Jahre“, Galerie Hans Ostertag, Frankfurt am Main
1968
„Otto Greis. Gemälde, Zeichnungen“, Badischer Kunstverein, Karlsruhe

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In Frankfurt am Main geboren und in Ockenheim am Rhein gestorben, war Otto Greis in zahlreichen Ausstellungen in Hessen (u.a. „Couleur vivante – lebendige Farbe“, Museum Wiesbaden, 1957) vertreten. Als er 1949 mit seiner Einzelausstellung in der Frankfurter Zimmergalerie Franck debütierte, lernte er Karl Otto Götz kennen. Götz war seit 1949 Mitglied der Künstlergruppe CoBrA, zu deren Hauptvertreter Karel Appel, Asger Jorn und Constant zählen. Ihre revolutionäre Haltung, die sich aus der Ablehnung gegenüber tradierten Kunstformen und ästhetischen Vorstellungen speiste, beeindruckte Greis nachhaltig: „(…) die Tatsache, dass hier Auflehnung spürbar wurde, hatte auch bei mir zur Folge, dass ich zunächst mein lang diszipliniertes Arbeiten über Bord warf, mir also der Kragen platzte (…). Diese Eruption hatte einmal den bewussten Sinn, belastende Vorbilder abzuschütteln. Des Weiteren war es die Lust am Experiment, das ‚Bild’ an den Rand seiner Möglichkeiten zu treiben; es war ein wirkliches Abenteuer mit den Mitteln der Malerei.“ [1]

Nachdem Greis‘ Werke zusammen mit Arbeiten von K. O. Götz, Heinz Kreutz und Bernard Schultze im Dezember 1952 in der Quadriga-Ausstellung in der Frankfurter Zimmergalerie Franck zu sehen waren, unterzog sich seine Malerei in den Folgejahren einem Wandel. Die Suche nach einer eigenen, unnachahmlichen Aussage in der Malerei, veranlasste Greis sich mit frühgeschichtlichen und außereuropäischen Kulturen zu beschäftigen. In jedem Frühjahr und Herbst von 1957 bis 1984 lebte und arbeitete der Künstler für einige Monate in Paris. Mit der Serie Tuareg, aus der das Werk Orakel stammt, fand Greis den Weg zur Figuration wieder: Die ineinander verwobenen, dunkelgrünen und schwarzen Linien erzeugen eine düstere Nachtstimmung, die mit einzelnen Lichtpunkten durchbrochen wird. Orakel stellt ein eindrucksvolles Beispiel für eine entscheidende Werkphase im Œuvre des Künstlers dar. Mit Otto Greis kehrt durch die Sammlung Reinhard Ernst ein bedeutender Künstler der Nachkriegszeit in die Rhein-Main-Region zurück.

Literaturverweise

[1] Brief von Otto Greis an Ursula Geiger, La Frette sur Seine, 13.1.1983, zit. nach Ursula Geiger, Die Maler der Quadriga und ihre Stellung im Informel, Nürnberg 1987, S. 75.