Um in der Malerei eine gleichzeitige Zwei- und Dreidimensionalität zu erreichen, entwickelte Hans Hofmann die Technik des „Push and Pull“: den Kontrast zweier Farben als Kraft und Gegenkraft. In The Hedge untersucht Hofmann die Wirkung aller Primärfarben in einem dicken, pastosen Farbauftrag. Dabei interessierten ihn vor allem die „plastischen“ Qualitäten, die er aus einer scheinbar flachen Oberfläche der Natur herausbildete. Hofmann, vor den Nationalsozialisten aus München geflohen, gründete 1933 in New York die Hans Hofmann School of Fine Arts, in der er jungen amerikanischen Maler:innen vermittelte, was er aus seiner Zeit in Paris von Henri Matisse, Pablo Picasso und Georges Braque mitgebracht hatte. Er wurde dadurch u.a. Mentor für Helen Frankenthaler und Lee Krasner.

Hans Hofmann (1880–1966)

The Hedge, 1950

Aktuell Ausgestellt: Ja (Raum: Zuhause in der Malerei)

Material: Öl auf Holz
Größe: 58,5 x 43,2 cm
Inv-Nr.: B_101
Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn

Schlagworte:

Provenienz

Vorbesitz: Kootz Gallery, New York
Ankauf: Sammlung Reinhard Ernst, Christie’s, New York, 2010

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Kaum ein anderer Künstler verkörpert die Ablösung von Paris durch New York als Zentrum der zeitgenössischen Kunst nach 1950 so deutlich wie der Maler Hans Hofmann. 1880 in Bayern geboren, durchquerte Hofmann mehrere künstlerische Zentren – München, Paris, New York – und bewegte sich in ebenso vielen Kunstrichtungen.

Als er 1904 nach Paris ging, lernte er die großen französischen Maler Pablo Picasso, Georges Braque und Robert Delaunay kennen. Durch seine 1915 gegründete Kunstschule in München stand er in Deutschland für eine französisch geprägte Moderne, bis er vor den Nationalsozialisten nach New York floh. 1933 gründete er dort die Hans Hofmann School of Fine Arts, in der er jungen amerikanischen Maler:innen das vermittelte, was er aus Europa von Matisse, Picasso und Braque mitgebracht hatte. Er wurde dadurch u.a. Mentor für Helen Frankenthaler und Lee Krasner. Auch Clement Greenberg und Arshile Gorky besuchten seine Vorlesungsreihe. Ab 1935 veranstaltete Hofmann im Küstenstädtchen Provincetown eine Summer School, an der 1950 auch Helen Frankenthaler teilnahm und mit Provincetown Harbor den Hafen künstlerisch verewigte.

Um auf der zweidimensionalen Fläche der Leinwand eine räumliche Wirkung und Bildtiefe zu erzielen, entwickelte Hofmann die Lehre des „Push and Pull“ (dt. ziehen und drücken). Er beschrieb den Kontrast zweier Farben gerne als eine Antwort von Kraft und Gegenkraft: „… sich ausbreitende und zusammenziehende Kräfte. … Die Bildebene reagiert automatisch in die entgegengesetzte Richtung des empfangenen Reizes. … Zug antwortet mit Druck und Druck mit Zug.“ [1] Während Hofmann in vielen Werken mit klaren, stark farbigen Farbfeldern arbeitet, untersucht er in The Hedge die Wirkung aller Primärfarben in einem sehr dichten und pastosen Farbauftrag. Dabei geht es nicht darum, Naturphänomene realistisch nachzubilden, sondern vielmehr die vielfaltigen Aspekte der Natur allein mittels unterschiedlicher Qualitäten der Farbe einzufangen. Damit bearbeitete Hofmann eine der grundsätzlichen Fragen der Malerei: Wie kann man die dreidimensionale Welt auf den flachen zweidimensionalen Bildträger übersetzen ohne eine perspektivische Darstellung in Anspruch zu nehmen? Im Gegensatz zu Josef Albers untersuchte er die Wirkung der Farbe in freier Bildkomposition. Dabei interessierten ihn, wie The Hedge zeigt, auch die plastischen Qualitäten der Farbe.

Literaturverweise

„Expanding and contracting forces … the picture plane reacts automatically in the opposite direction to the stimulus received; thus action continues as long as it receives stimulus in the creative process. Push answers with pull and pull with push.”, in: Search for the Real and Other Essays: Hans Hofmann, hrsg. von Sara T. Weeks, Bartlett H. Hayes Jr. (1948; Cambridge, MA: MIT Press, 1967), S. 45, zit. nach Lucinda Barnes: „Hans Hofmann: The Nature of Abstraction“, in gleichnamiger Publikation, hrsg. von ders. (u.a.), University of California Berkeley Art Museum & Pacific Film Archive, 2019, S. 14–43, hier S. 32/33.